Sunday, November 11, 2012

Kunst ist ein Alien

Ich fange am Besten in der Mitte an: Der Plan ist der, eine Datenbank zu entwerfen, die die gesamte Kunst umfasst. Alles soll so einfach wie möglich gehalten werden; der Plan kommt mit lediglich zwei Axiomen aus:
  1. Kunst ist identisch mit der Gesamtheit der Kunstwerke. 
  2. Kunstwerke lassen durch Schlagwörter komplett identifizieren.
In der Datenbank wird jedes existierende Kunstwerk eingetragen und eindeutig verschlagwortet. Die Schlagwörter sind: Entstehungsjahr, Farben, Künstler_in, Größe et cetera. Die Menge der Schlagwörter ist endlich. Die Schlagwörter können Wörter, aber auch einfach Zahlenangaben sein - wie das etwa beim aktuellen Forschungsprojekt von Martin Warnke der Fall ist.
Die Verschlagwortung läge über der Kunst wie ein Netz; manche Stellen des Netzes wären stärker ausgelastet, andere weniger. Proaktiv ließe sich dazu nutzen, Kunst zu generieren, die es noch nicht oder kaum gibt (indem man die Datenbank nach Kombinationen von Schlagwörtern durchsucht, die wenig auftauchen).

Doch irgendwie stimmt hier etwas nicht: Warum hätte man mit der Datenbank Kunst nicht begriffen (im hegelschen Sinne)? Die Datenbank hat eine mit Wittgensteins Tractatus vergleichbare Stoßrichtung. In diesem untersuchte Wittgenstein das Verhältnis von Sprache und Wissen und stellte die Forderung nach einer bijektiven Abbildbarkeit auf. Diese lässt er in seinem späteren Werk fallen, als ihm klar wird, dass weder Sprache noch Wissen statisch sind, sondern sich mit dem Gebrauch ändern. Bezogen auf die Kunst-Datenbank stellt sich nun die Frage nach der Gültigkeit des oben genannten ersten Axioms: Ist Kunst wirklich mit der Gesamtheit aller Kunstwerke identisch.
Warum sollte sie es nicht sein? Was da der Unterschied? Was ist das Surplus, dass die Kunst zu mehr macht als nur "alle Kunstwerke zusammen genommen"?

Offensichtlich lässt sich dieses Surplus nicht ohne Weiteres fassen. Oder vielleicht doch; zunächst über eine Analogie: Ließe sich das menschliche Leben (in seiner nicht-biologischen Dimension)* datenbänkerisch analysieren? Lacan sagt dazu, dass etwas übrig bliebe, wenn man alle sozialen Regeln, geschriebene wie ungeschriebene, und alle Imaginationen identifiziert hätte. Das, was übrig bleibt, dieses je ne sais quoi, nennt er das Reale.

Jetzt lässt sich der Plan vom Anfang auch besser begreifen: Nicht als Versuch, die Unordnung aus der Kunst zu eliminieren, sondern das Widerständige und Pulsierende darin.
Kunst soll Schachbrett sein, nicht Alien.

Was ist aber mit Datenbank-Versuchen, bei denen es anscheinend geklappt hat? Zum Beispiel mit Athanasius Kircher, dem vorletzten Menschen auf der Welt, der alles wusste? In seinem Denksystem war tatsächlich alles enthalten: Kein Thema, mit dem er sich nicht beschäftigt hat. Wie Michel Foucault in "Die Ordnung der Dinge" dargelegt hat, war Kirchers Trick der, sich auf die Ähnlichkeiten zwischen den Dingen zu konzentrieren, statt zu versuchen, sie in eine Tabelle oder ein Schema zu zwängen. Anders ausgedrückt: Was Kircher entwarf, war ein System, aber keine Datenbank. 

Nun zu Hegel, dem nunmehr allerletzten Menschen in der Weltgeschichte, der ehrlich von sich behaupten konnte, alles zu wissen. Sein System war inhärent dynamisch: Alles darin strebte zum Idealzustand. Dieser wiederum war mit einem Selbst-Bewusstsein ausgestattet. Zurück zur Kunst: Eine Kunstwerk-Datenbank kann nicht deskriptiv, sondern muss, um nicht defizitär zu sein, normativ ausgerichtet werden - sie muss darauf angelegt sein, die Kunst weiterzubringen








* alles andere würde das Gedankengebäude allzu verkomplizieren

Thursday, May 10, 2012

Hier Alles Gute

Als ich an der Kirche ankomme, steht Verliebtheit davor.
Ich: Warum sie nicht 'rein ginge? Und: Wer sie sei?
Sie: Dass sie die Verliebtheit von M+J sei,
dass die beiden so dermaßen viel Verliebtheit hätten,
dass unmöglich alles davon in die Kirche passe
und dass sie der Teil sei, der nicht mehr rein geht
und deswegen hier stehe.
Gelangweilt schaut sie sich um;
sie wäre lieber drinnen,
zwischen zwei Händchen
und in zwei Blicken.

Ob ich eine rauchen möchte.
Nein, sage, ich, verwirrt doch ergriffen,
ich bin eh schon spät dran.
Ich gehe rein, betrete die Kirche zum ersten Mal und,
Leute, 
die Kirche ist riesig,
hier hätte ein Di-no-sau-ri-er 'reingepasst.
Locker.

Dann, beim Essen und Bootfahren:
Kuss hier, Kuss da,
alberne Küsse,
Überraschungsküsse,
große Küsse,
ein Kuss, DER SO REDET
und ein Kuss, der schüchtern auf der Wange landet.
Dazwischen ein Schluck JimBeam-Cola,
dann gleich wieder ein Kuss,
denn, hey, 
Speicherstadt, Schiffe, Hafen, Konfirmationen kommen und gehen,
aber was bleibt, ist der Kuss.

Der Kuss aus dem Nichts, aus Berlin höchstens.
Obwohl, eher aus Hamburg bei ihm.
Bei ihr ja auch, eigentlich.
Liebe in Lippenform,
gegen die Nacht, gegen die Traurigkeit.
Liebe wie eine Kerze bei Sturm und siehe:
Sie geht nicht aus.

Als ich mich doppelt umarmt verabschiede,
brennen sie fast: Liebe im Hotelhafenhamburg;
Liebe wie ein Steppenfeuer:
Funken schweben in der Luft.
Ich schaue genauer hin: Es sind Elfen,
Engel, vielleicht.

Mit ihm eine rauchen, am Fenster.
Eine erbarmungslos geplünderte Minibar.
Der Apfel aus Eden ungepflückt an der Wand.
Sie, bäuchlings auf dem Bett,
glucksend vor Glück.

Wednesday, May 9, 2012

Stimmte die Natur

Ich hieß die Bäume über Deinen Schlaf zu wachen.
Ich hieß die Felder, Dir Bett zu sein.
Darin der Mohn, war mein Gedächtnis.
Verstohlen schlich sich die Nacht
um Deine Träume.


Ich zwang
sie, Dir
nie-nichts
zu tun.

Spalte einen Holzscheit, kaminnah:
ich bin darin.
Hebe einen Stein am Wegrand auf:
Du findest mich.
Ich werde Dich suchen
wie das Ende den Kuss
und im Morgengrauen liegen,
waldgrün wie ein Kind.

Friday, April 27, 2012

Don't look at me


Saint Lucy. By: Domenico di Pace Beccafumi.
I appreciate italian art. 

Saturday, February 25, 2012